Vom Mythos der ersten Fassung zum professionellen Schichtenmodell
Das Thema »Überarbeitung« kommt im Q&A-Teil meiner Lesungen unweigerlich auf. Erstaunlicherweise ist die Frage, die mir dabei am häufigsten gestellt wird, gar nicht die nach dem Wie. Gefragt werde ich meistens, ob ich meine Texte nach dem Schreiben überhaupt noch überarbeite. Und ob man das als Autor denn generell müsse.
Die kurze Antwort darauf lautet: Ja.
Die etwas längere Antwort: Kein Mensch, erst recht kein Autor, ist perfekt. Es mag sie theoretisch geben, diese Mozarts des Schreibens, die ganze Romane im ersten Anlauf makellos zu Papier bringen. In der freien Wildbahn bin ich allerdings noch keinem begegnet – wohl aber vielen, die fest davon überzeugt sind, einer zu sein.
Machen wir uns nichts vor: Ernest Hemingway hatte recht, als er trocken feststellte, dass die erste Fassung von allem immer »Bullshit« sei. Autoren, die nicht überarbeiten oder der Überarbeitung nicht mindestens genauso viel Zeit und Aufmerksamkeit widmen wie dem eigentlichen Schreibprozess, sind schlichtweg Amateure.
Als professioneller Autor gewöhnt man sich am besten gleich an, der eigene strengste Kritiker zu sein. Das erspart einem spätere Prügel von Lesern und Rezensenten zwar nicht völlig, aber sie tun dann schon längst nicht mehr so weh.
»Aber meine Texte sind doch meine Kinder!«, höre ich die Amateure unter meinen Kollegen an dieser Stelle oft rufen. Eben! Verwöhnte, nie kritisierte Kinder werden fett und ungezogen. Und genau wie Kinder muss man auch Texte hin und wieder streng in ihre Grenzen weisen.
Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich ja gar nicht darüber philosophieren, ob ich überarbeite, sondern zeigen, wie ich es tue. Wie immer beim Schreiben gibt es hier kein allgemeingültiges Patentrezept, aber zumindest einen Prozess, der sich in meinem Arbeitsfluss über Jahre hinweg bewährt hat.
Die Methode: Arbeiten in Schichten
Wie ein Maler, der mit einer groben Skizze beginnt und sich dann Farbschicht für Farbschicht zum fertigen Bild vortastet; oder wie ein Musiker, der mit einer simplen Melodie und einer Akkordfolge startet, um das Stück dann immer komplexer zu arrangieren – so gehe ich beim Schreiben und Überarbeiten vor: in Schichten.
Immer und immer wieder gehe ich von vorne nach hinten durch den Text (und bei manchen Durchgängen ganz bewusst von hinten nach vorne). Dabei hat jede einzelne Schicht, jeder Überarbeitungsgang, ihre ganz eigene, klare Aufgabe. Natürlich halte ich unterwegs auch die Augen nach Sprachschlampereien, Tippfehlern oder potenziellen Kürzungen offen. Entdeckt man ein solches Problem, sollte man es zumindest farbig markieren oder am besten gleich lösen, damit man es später nicht vergisst. Aber der Fokus der jeweiligen Schicht bleibt unangetastet.
Der Härtetest: Überarbeitung von Gebrauchstexten
Dieses systematische Vorgehen habe ich nicht am Schreibtisch des Schriftstellers gelernt, sondern in meinem Brotberuf als Texter für Werbung und Unternehmenskommunikation. In dieser Branche ist massiver Zeitdruck der Normalzustand, Deadlines sind gnadenlos knapp – und die Toleranz für Fehler geht gleichzeitig gegen null.
Um unter diesen Bedingungen konstant abzuliefern, habe ich für mich einen strikten Prozess definiert, der die einzelnen Schichten eines Textes logisch aufeinander aufbaut. Dieser umfasst bei einem »simplen« Gebrauchstext bereits unglaubliche neun Stufen:
- Erste Fassung: Alle notwendigen Bestandteile werden geschrieben. Dank klarer Kundenvorgaben muss das nicht chronologisch passieren – Headlines entstehen bei mir oft ganz zum Schluss.
- Kürzung: Erste Fassungen sind bei mir praktisch immer zu lang. Jetzt wird der Text gnadenlos auf die geforderte Länge gebracht.
- Inhalte: Die gekürzte Fassung wird anhand der Briefing-Vorgaben auf inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft.
- Sprachlicher Feinschliff: Die gröbsten Schnitzer sind raus, jetzt geht es an die Details. Diese Phase dauert oft länger als die ursprüngliche Niederschrift.
- Lautlesen: Ich lese mir den Text laut vor. Jedes Rhythmus-Problem, jede Unsauberkeit wird so gnadenlos aufgedeckt. Auch ein Text, der nur gedruckt wird, muss trotzdem gut klingen.
- Korrekturlesen: Oft von hinten nach vorne gelesen, um sich nicht vom Inhalt ablenken zu lassen. Ein Wechsel der Schriftart wirkt hier oft Wunder, um das Auge zu überlisten.
- Abschließendes Lautlesen: Ein letzter, mindestens halblauter Durchgang vor der Präsentation.
- Debattenfassung: Nach der ersten Präsentation beim Kunden werden Änderungswünsche diskutiert und eingearbeitet. Oft ist der Kundenwunsch inhaltlich richtig, erfordert aber eine bessere sprachliche Lösung von mir.
- Korrektur-/Lautlesen (Finale Endkontrolle): Ein letzter Check, bevor der Text endgültig in die Gestaltung geht.
Der Exzess: Das Schichtenmodell der Romanüberarbeitung
Neun Schichten für einen Werbetext klingen viel? Das ist nur das Aufwärmprogramm. Bei meinen Romanmanuskripten gehe ich noch ungleich exzessiver vor. Bei meinem letzten Projekt habe ich mir einmal den Spaß gegönnt, die erste vollständige Fassung und die letztlich abgegebene Fassung systematisch zu vergleichen. Das Ergebnis: Eine Übereinstimmungsquote von exakt 9 Prozent.
Richtig gelesen: 91 Prozent des Textes habe ich im Laufe der Überarbeitung mehr oder weniger stark verändert, gestrichen oder neu geschrieben. Auch beim Roman arbeite ich konsequent in Schichten:
- Materialberg-Fassung: Hier schreibe ich erst einmal frei von der Leber weg. Ich will sehen, ob der Stoff trägt und die geplante Erzählweise funktioniert. Oft fallen mir dabei Probleme mit dem Storyboard auf – ich habe beispielsweise die fatale Tendenz, gerne bei Adam und Eva anfangen zu wollen. Bei drei der vier Katharina-Klein-Krimis sind in dieser Fassung die ursprünglich geplanten Anfangskapitel über die Klinge gesprungen. Die Bücher beginnen jetzt mit dem, was mal das zweite oder dritte Kapitel war. Diese Fassung führe ich oft gar nicht zu Ende, sie ist lediglich der Steinbruch für die …
- Erste vollständige Fassung: Die berühmte erste Fassung, die ja bekanntlich »Bullshit« ist. Entsprechend bekommt sie außer mir auch niemand zu sehen. Nach der Vollendung mache ich trotzdem den alkoholfreien Cidre auf und lasse den Text anschließend mindestens eine Woche unangetastet liegen.
- Storytelling Fixes: Jetzt geht es ausschließlich um das dramaturgische Gerüst. Ist die Story stringent? Gibt es ausreichend Wendepunkte? Funktionieren die Spannungsbögen? Zu dieser Fassung hole ich mir das erste Mal externes Feedback von Vertrauenspersonen ein – und zwar ganz spezifisch zum Storytelling und den Charakteren.
- Erste Feedback-Fassung: Das Feedback aus der vorherigen Runde wird eingearbeitet.
- Diät-Fassung: Beim Schreiben der ersten Fassungen nehme ich meistens ab; bei der Diät-Fassung des Textes nehme ich zu. Jetzt wird gekürzt. Entweder gibt es harte Verlagsvorgaben (die Katharina-Klein-Krimis durften z. B. 750.000 Zeichen haben, die ersten Fassungen lagen oft bei 950.000) oder ich mache mir selbst strikte Vorgaben.
- Glättungsfassung: Nach der Kürzung lasse ich den Text kurz ruhen. Dann prüfe ich, welche Ecken, Kanten und Stolperfallen das Streichen hinterlassen hat. Manchmal rudere ich zurück und mache Striche wieder auf. Danach gehen die gleichen Testleser wieder ans Werk – ergänzt durch eine Person mit »frischem Blick«, die den Text noch gar nicht kennt.
- Zweite Feedback-Fassung: Erneute Einarbeitung des Feedbacks.
- Sprachlicher Grobschliff: Hier jage ich Manierismen und Phrasen, in die ich mich zu sehr verliebt habe. Die ehemals sprühende Pointe, die sich nun als reine Albernheit entpuppt, oder das schiefe Bild – all das fliegt jetzt raus.
- Sprachlicher Feinschliff: Jetzt werden die Details und jeder einzelne Satz abgeklopft. Um mich vom Handlungsfluss nicht einlullen zu lassen, lese ich dabei gerne von hinten nach vorne.
- Lautlesen: Auch einen Roman lese ich mehrfach laut. Bei meinem letzten Projekt habe ich sogar eine komplette Lesung aufgenommen und dann beim Überarbeiten abgehört. In dieser Phase schicke ich den Text erneut an meine Testleser (sofern sie nicht völlig entnervt sind) und beziehe erstmals »Fremde« ein, etwa treue Leserinnen und Leser meiner früheren Romane.
- Dritte Feedback-Fassung: Ein letztes Mal Feedback von außen einarbeiten.
- Lautlesen: Weiterer sprachlicher Feinschliff.
- Korrekturlesen: Mit externer Hilfe gehe ich den Text auf Fehler durch.
- Abschließendes Lautlesen / Abgabe-Fassung: Diese Schicht dient der Bestätigung und dem Wegpusten der allerletzten Staubkörnchen, bevor das Manuskript an den Verlag oder ins Lektorat geht.
Wer glaubt, die Arbeit sei hier beendet, irrt gewaltig. Jetzt beginnt der Nahkampf mit dem Lektorat (mehr dazu im Kapitel »Das Team«), der meist über mindestens zwei Runden geht, bis der Text »locked« ist. Ganz am Schluss folgen dann noch die finale Fahnenkorrektur im gesetzten Layout und die finale Freigabe.
Inhaltsunabhängige Ziele als Geheimwaffe
Einen Text Schicht für Schicht zu bearbeiten, erfordert Disziplin. Um diese Disziplin aufrechtzuerhalten, arbeite ich sehr gerne mit künstlichen, externen Hürden – Zielen, die eigentlich nichts mit dem Inhalt zu tun haben, den Text aber zwingend besser machen.
10 Prozent können immer raus
»Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.«
Wir Autoren beten dieses Credo von Antoine de Saint-Exupéry gerne nach. Doch seien wir ehrlich: Jeder Strich schmerzt wie eine kleine Amputation. Es fällt unendlich schwer, unseren hart errungenen Worten Gewalt anzutun.
Genau deshalb setze ich mir für die große Kürzungsrunde (meine »Diät-Fassung«) eine unumstößliche Regel: Zehn Prozent vom Text müssen raus.
Das klingt nach wenig? Bei einem Manuskript von 300 Seiten sind das 30 Seiten. Das ist ein massiver Packen Papier. Durch diesen Kürzungszwang muss ich jedes Element – vom großen Handlungsstrang bis zum kleinsten Adjektiv – auf seine absolute Notwendigkeit abklopfen. Der Text wird unweigerlich ökonomischer, präziser und leichter lesbar.
Zudem löse ich damit oft eines meiner Lieblingsprobleme: Ich steige in Szenen oft zu früh ein und zu spät wieder aus. Meine Charaktere stehen dann in der Gegend herum und verbrauchen wertvolle Luft und Seitenfläche. Nach der gnadenlosen Kürzung entlasse ich den Leser aus einer Szene oft mit einem Lacher oder einer großen Frage, die ihn zwingt, direkt weiterzulesen.
Sprachspielregeln definieren
In der Unternehmenskommunikation arbeitet man oft mit strikten Styleguides. Das empfindet man schnell als Einschränkung. Aber genau diese Einschränkung zwingt einen, sehr viel genauer auf die eigenen Worte zu achten.
Diesen Mechanismus übertrage ich auf meine Romane. Ich gebe mir für jedes Projekt bestimmte Richtlinien vor, die auf den ersten Blick vielleicht willkürlich wirken. In meinem letzten Roman habe ich mir beispielsweise die Aufgabe gestellt, auf jede Qualifizierung wörtlicher Rede zu verzichten.
Jedes sagte, schrie, flüsterte, brüllte, nuschelte oder zischte fiel gnadenlos dem Rotstift zum Opfer. Die Konsequenz? Ich musste plötzlich andere Wege finden, um zu verdeutlichen, wer gerade spricht und in welcher Verfassung die Figur ist. Jemand mit lila Zornesflecken auf den Wangen spricht völlig anders als jemand, der gerade völlig verkatert aus dem Bett gekrabbelt ist.
Diese simple Regel erzwingt das berühmte »Show, don’t tell« und hatte massive Auswirkungen auf die gesamte Sprache des Textes. Externe Vorgaben tun anfangs vielleicht weh, aber sie zwingen mich zu einem Höchstmaß an sprachlicher Bewusstheit.
Das Team: Die professionelle Zusammenarbeit
Schreiben ist ein einsames Geschäft. Überarbeiten hingegen ist – wenn man es professionell betreibt – ein Mannschaftssport. Zwar verbringe ich die meiste Zeit allein mit meinem Text, doch ohne externe Helfer wäre das Endprodukt bestenfalls mittelmäßig. Wichtig ist dabei, die richtigen Helfer zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen und ihre Rollen klar voneinander abzugrenzen. Wir sprechen hier im Wesentlichen von drei Instanzen: Testlesern, Lektoren und Korrektoren.
1. Die Testleser: Der Realitätsabgleich
Wann sie ins Spiel kommen: Sehr früh. Das erste Mal bitte ich meine Testleser bereits nach den groben »Storytelling Fixes« um Hilfe, also noch bevor der Text seinen sprachlichen Feinschliff hat.
Ihre Aufgabe: Testleser sind meine Diagnose-Geräte für blinde Flecke. Weil ich als Autor tief im Stoff stecke, übersehe ich leicht Logiklöcher oder setze bei meinen Figuren Motivationen voraus, die im Text gar nicht stehen. Ich bitte meine Vertrauenspersonen in dieser frühen Phase spezifisch um Feedback zum Storytelling und zu den Charakteren: Ist die Geschichte stringent? Funktionieren die Spannungsbögen? Sind die Figuren glaubhaft? Später im Prozess, wenn es an den finalen Feinschliff geht, dürfen noch einmal neue Testleser mit frischem Blick ran, um zu prüfen, ob die letzten Ecken und Kanten wirklich geglättet sind.
2. Die Lektoren: Die Arbeitspartner
In vielen Büchern findet sich im Vor- oder Nachwort die Danksagung an das Lektorat – und das aus gutem Grund. Autoren und Lektoren bilden oft langjährige Gespanne (es soll sogar vorgekommen sein, dass sie geheiratet haben).
Wann sie ins Spiel kommen: Wenn das Manuskript strukturell steht und vom Autor so gut gemacht wurde, wie er nur irgend konnte. Wer einfach seine dreckige erste Fassung unkorrigiert an einen Lektor schickt, verschwendet dessen Zeit und sein eigenes Geld.
Ihre Aufgabe: Ein Lektor ist kein reiner Fehlerfinder, sondern ein analytischer Arbeitspartner. Ein guter Lektor betrachtet die großen Erzählbögen genauso wie die Details der Sprache. Am besten lässt sich seine Aufgabe in vier Leitfragen zusammenfassen:
- Was will uns der Autor sagen?
- Sagt uns der Autor das auch wirklich?
- Wenn nein: Warum nicht?
- Lassen sich diese Probleme beheben? Wenn ja, wie?
Die Abgrenzung: Das Wichtigste an einem guten Lektor ist, dass er den Stil des Autors optimiert, ihm aber nicht die eigene stilistische Idealvorstellung aufzwingt. Ein guter Lektor redet einem nicht nach dem Mund, sondern legt systematisch den Finger in die Wunden. Das mag schmerzhaft sein und zu Diskussionen führen, aber es dient dem Text. Genau aus diesem Grund sind übrigens Autoren nicht zwingend auch gute Lektoren (ich nehme mich da nicht aus): Wir neigen dazu, unsere eigenen ästhetischen Vorstellungen auf fremde Texte zu projizieren, anstatt die Ästhetik des vorliegenden Textes zu verstehen. Man sollte sich als Schrifsteller also genau überlegen, ob man wirklich willens und in der Lage ist, seine Arbeit in den Dienst eines anderen Stils zu stellen, bevor man diese beliebte Side Hustle auf seiner Website anbietet.
Ob man über einen Verlag publiziert oder als Self-Publisher agiert: Die Investition in ein professionelles, freies Lektorat lohnt sich enorm. Es wertet das Manuskript auf und signalisiert Professionalität. Wichtig ist jedoch ein vorheriges Vorgespräch (stimmt die Chemie?) und ein Probelektorat, bei dem man idealerweise gezielt ein paar Schwächen einbaut, um die Schärfe des Lektorenblicks zu testen.
3. Die Korrektoren: Die finale Instanz
Wann sie ins Spiel kommen: Ganz am Schluss, wenn der Text inhaltlich und dramaturgisch völlig »locked« ist. Wenn keine Sätze mehr umgestellt und keine Absätze mehr gestrichen werden.
Ihre Aufgabe: Der Fokus liegt ausschließlich auf Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Selbst nach zwanzig Lesedurchgängen übersieht man als Autor eigene Tippfehler, weil das Gehirn längst nicht mehr liest, was dort steht, sondern was dort stehen sollte.
Die Abgrenzung (und Warnung): Aus gutem Grund werden Lektorat und Korrektorat im Produktionsprozess strikt getrennt. Ein Korrektor darf und soll nicht mehr lektorieren! Es gibt durchaus professionelle Korrekturleser, die sich eigentlich zum Lektoren berufen fühlen und meinen, geschmacklich eingreifen zu müssen. Nichts gegen die Korrektur einer offensichtlichen Stilblüte. Doch wenn persönliche Vorlieben ins Spiel kommen, wird es kritisch.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis: Wäre es nach einer von mir früher einmal beschäftigten Korrektorin gegangen, die das Fluchen persönlich ablehnte und fleißig anfing, Schimpfwörter zu streichen, hätte der letzte Satz meines Krimis »Westend Blues« gelautet: »Wie schrecklich.«
Korrektoren, die sich als Lektoren gebärden und in dieser späten Phase inhaltlich oder stilistisch eingreifen, halten den Workflow unnötig auf. Sie haben eine messerscharfe, aber eng begrenzte Aufgabe.
Fazit: Die endlose Lernkurve
Sind meine Romane und Gebrauchstexte nach all diesen Schichten, Kürzungen, Regeln und Feedbackschleifen perfekt? Sicher nicht. Ich verstehe mich, wie gesagt, als dauerhaft fortgeschrittenen Anfänger. Bei jedem neuen Projekt ist die Lernkurve wieder steil – aber genau das ist ja auch der Spaß an unserem Beruf.
Was ich durch dieses konsequente Schichtenmodell aber garantieren kann: Meine Texte sind immer so gut, wie ich es zu diesem exakten Zeitpunkt zu leisten vermag. Das mag vielen Lesern ausreichen, manchen vielleicht nicht. Letztere werden dann nicht müde, mich auf verbliebene Schwächen hinzuweisen. Und das ist auch völlig in Ordnung, solange die Kritik sachlich ist. Denn nur so komme ich weiter – und nur so beginnt bei der Überarbeitung des nächsten Buches der Exzess wieder von vorn.






