Der Lerche rotgemaltes Lied

Der Lerche rotgemaltes Lied

Requiem für die Museumswärterin Katharina Gerlinde Streifft

Inhalt

Katharina Gerlinde Streifft ist Museumswärterin – oder vielmehr, wie sie es selbst nennt: Museumswarterin. An einem verregneten Mittwoch steht sie in der verwaisten, postmodernen Vorhalle einer Kunstsammlung und sortiert aus purer Langeweile Postkarten. Aus dem tiefen Bedürfnis nach einer menschlichen Stimme heraus beginnt sie, mit den Porträts der aufgedruckten Meisterwerke zu sprechen. Was als sarkastischer Monolog über den immer gleichen Lichteinfall in der Renaissance-Malerei und das absurde Verhalten der Museumsbesucher beginnt, wandelt sich unmerklich zu einer schonungslosen Lebensbeichte.

Katharina, die eigentlich Kunstgeschichte studiert hat und seit sieben Jahren frustriert an ihrer Dissertation schreibt, blickt auf eine Kette von Enttäuschungen zurück. Sie erzählt den stummen Zuhörern aus Pappe von ihrer zerrissenen Kindheit und von ihrem Ex-Freund, einem distanzierten Astrophysiker, der das Universum nüchtern mit Harzer Käse verglich. Vor allem aber spricht sie von ihrer aufgegebenen Leidenschaft: Einst war sie eine wilde Malerin, deren rohe, expressionistische Bilder förmlich aus ihr herausplatzten. Doch aus Geldmangel tauschte sie die Leinwand gegen die trockene Theorie und fügte sich in ein unsichtbares, wartendes Dasein in den Vorhallen der Kunst.

Dieses Warten hat nun ein unerbittliches Ablaufdatum erhalten. Erst gestern hat ihr Arzt die niederschmetternde Diagnose gestellt: Magenkrebs im Endstadium, inoperabel. Während der Regen unaufhörlich gegen die Glasscheiben peitscht, bricht Katharinas sorgsam aufrechterhaltene Fassade endgültig zusammen. Die jahrelang unterdrückten, extremen Bilder ihrer wahren Künstlerseele bahnen sich gewaltsam ihren Weg nach draußen und fressen sie förmlich von innen auf.

In einem furiosen Höhepunkt entladen sich diese aufgestauten Visionen in einer verbalen Eruption aus ungefilterter Gewalt, Blut und Schmerz. Katharina zerreißt die Postkarten, rebelliert gegen die harmlose, käufliche Schönheit und erbricht ihre inneren Dämonen in den Raum. In diesem brutalen Akt der Befreiung findet sie schließlich eine unerwartete Erlösung. Am Ende dieses Sturms bleibt ein sanfter, beinahe surrealer Frieden. Getragen vom Gesang einer Lerche wird sie von einem Wirbel aus Postkarten eingehüllt, der sie wie ein schützender Vogelschwarm umfängt. Ein fesselndes Requiem über verpasste Träume, Endlichkeit und die unbezwingbare Kraft der Kunst.

Eckdaten

Genre
Drama
Personen
1 Frau
Spieldauer
60 Minuten, keine Pause
Entstehungsjahr
1997
Status
Manuskript fertig, Uraufführung frei

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Leseprobe:

Der Lerche rotgemaltes Lied - ein Monolog

Der Lerche rotgemaltes Lied (Leseprobe)

Ein verregneter Tag im Museum, eine einsame Wärterin und eine niederschmetternde Diagnose. In einem intensiven Monolog konfrontiert Katharina Gerlinde Streifft die Meisterwerke der Kunstgeschichte mit ihren zerstörten Lebensträumen, bis ihre unterdrückte Künstlerseele gewaltsam ausbricht. Ein tief berührendes Theaterstück über die rettende Kraft der Kunst.