Vom Verlags-Bestseller zum Self-Publishing-Relaunch – Das Branding der Katharina-Klein-Reihe

Vom Verlags-Bestseller zum Self-Publishing-Relaunch – Das Branding der Katharina-Klein-Reihe

Eigenes Werk
Cover, Branding
Buchproduktion

Manchmal ist der Weg zum perfekten Cover fast so spannend wie der Kriminalroman selbst. Wer heute im Buchladen oder online durch die Krimi-Neuerscheinungen scrollt, sieht oft einen gewissen Einheitsbrei – nicht zuletzt dank austauschbarer KI-Generierungen. Dass es auch anders geht (und warum ein starkes, konsistentes Branding für eine Buchreihe überlebenswichtig ist), zeigt die Geschichte meiner eigenen Krimireihe rund um Frankfurts chaotischste Kriminalpolizistin Katharina Klein.

Eine Reise, die 2009 mit ersten Skizzen begann, einen renommierten Design-Award gewann, fast einem Verlags-Fiasko zum Opfer fiel und schließlich im Self-Publishing ihr triumphales „Final Design“ fand.

Akt 1: Erste Skizzen und ein „blutiger“ Award

Im Jahr 2009 nahm der Erfurter Suttonverlag meinen Roman »Westend Blues«, den ersten Fall für Katharina Klein, an. Die Cheflektorin des Verlags bat mich damals um Vorschläge für das Cover. Da ich als Autor nicht nur in Texten, sondern gerne auch visuell und in Konzepten denke, habe ich mich direkt an die Arbeit gemacht.

Aus meinen ersten Ideen entstand in fruchtbarer Zusammenarbeit mit dem Verlagsgrafiker Markus Drapatz ein Cover, das radikal mit den typischen Krimi-Sehgewohnheiten jener Zeit brach. Minimalistisch, plakativ und fast schon im Piktogramm-Stil.

Dass wir damit genau ins Schwarze getroffen hatten, zeigte sich spätestens im Jahr darauf: Das Cover von »Westend Blues« wurde 2010 mit dem renommierten »Bloody Cover Award« für das beste und originellste Krimicover des Jahres ausgezeichnet. Man darf sein Licht ja auch mal nicht unter den Scheffel stellen!

Akt 2: Die Geburt eines Markenzeichens

Aus einem erfolgreichen Buch sollte schnell eine Serie werden. Und für eine Serie braucht man – richtig: ein durchdachtes Branding. Ein starkes Coverkonzept muss so flexibel sein, dass es sich über mehrere Bände weiterentwickeln lässt, aber gleichzeitig sofort wiedererkannt wird.

Für den zweiten Band, »African Boogie«, ließen wir Katharina Klein zum ersten Mal rennen. Diese rennende Frauenfigur wurde schnell zum inoffiziellen, aber hochgradig wiedererkennbaren Markenzeichen der gesamten Reihe.

Akt 3: Das Disaster mit Ansage

Ein gutes Branding funktioniert nur, solange man sich auch daran hält. Doch dann schlug die Verlagspolitik zu. Der Suttonverlag wurde aufgekauft und der neue Eigentümer erklärte sich kurzerhand selbst zum Krimi-Experten, der dem gesamten Programm ein neues Gesicht verordnen wollte.

Das Opfer dieser kuriosen Entscheidung? Band 4 meiner Reihe, »Damenopfer«.

Damenopfer: Ein Disaster mit Ansage
Wie man eine Reihe torpediert:
Das austauschbare Verlags-Cover von »Damenopfer«, das inhaltlich wie optisch das Ziel völlig verfehlte.

Heraus kam ein Cover, das nicht nur mit dem etablierten und preisgekrönten Branding der vorherigen Bände brach, sondern auch inhaltlich völlig falsch war. Das Bild zeigte die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt – ein Gebäude, das mit der Handlung des Buches absolut nichts zu tun hatte. Gepaart mit einem unfreiwillig komischen und grottenschlechten Klappentext der Cheflektorin war das ein Disaster mit Ansage.

Das Ergebnis: Das Buch floppte an den Kassen, obwohl es von vielen Kritikern damals wie heute als der beste Teil der Reihe bezeichnet wurde. Eine schmerzhafte, aber wertvolle Lektion darüber, wie falsches Design und schlechtes Marketing selbst die stärkste Geschichte versenken können.

Akt 4: Die Rechte, der Relaunch und die Final Edition

Wir spulen vor ins Jahr 2019. Der Verlag war inzwischen erneut verkauft worden. Ich nutzte die Gunst der Stunde und holte mir sämtliche Rechte an meinen inzwischen vier Krimis zurück. Dabei war mir eines extrem wichtig: Ich bestand darauf, auch die Rechte an den Grundideen der Cover zurückzuerhalten. Der Verlag willigte glücklicherweise ein.

Jetzt lag es an mir. Ich machte mich daran, alle Cover als Self-Publisher noch einmal grundlegend zu überarbeiten. Die Prämisse: Das bisherige, erfolgreiche Branding in seinen Grundzügen erhalten, es aber gleichzeitig aufpolieren und modernisieren.

Ich wollte den Covern mehr Dynamik verleihen, denn Katharina Klein ist ebenso Actionheldin wie Detektivin. Die Typografie wurde schlanker, die Reihenelemente traten stärker in den Vordergrund. Wer genau hinsieht, entdeckt auf den neuen Covern liebevolle Details: Neben der roten Pistole finden sich nun Elemente, die direkte Entsprechungen in den Büchern haben.

Fazit: Die Macht der Wiedererkennung

Nicht jedem gefallen diese stark reduzierten Piktogramm-Cover, aber den meisten. Was jedoch niemand bestreiten kann: Sie fallen auf. Gerade heute, wo so viele Bücher in einem schwer unterscheidbaren KI-Bilder-Brei untergehen, sticht das klare Branding der Katharina-Klein-Reihe noch immer deutlich heraus.

Diese Geschichte zeigt: Ein gutes Cover ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von konzeptionellem Denken, Mut zur Lücke und einem unbestechlichen Gefühl für die Tonalität des Buches.

Genau dieses Wissen, die Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Verlagen und das gestalterische Handwerkszeug biete ich heute anderen Self-Publishern an. Damit gute Bücher auch genau das Gesicht bekommen, das sie verdienen.

Neugierig geworden? Hier gibt es die Printausgaben der Final Edition:

Zur Veröffentlichung:

Westend Blues – Katharina Klein in Schwierigkeiten

Westend Blues

Suspendiert, des Mordes beschuldigt, zur Babysitterin degradiert: Genau der richtige Zeitpunkt für Katharina Klein, sich in den völlig falschen Mann zu verlieben.
African Boogie – Katharina Klein im Urlaub

African Boogie

Suspendiert, von ihrem heißgeliebten Job weggelobt, von einem der besten Profi-Killer der Welt gejagt und in den völlig falschen Mann verliebt: Genau die richtige Zeit für Katharina Klein, in den Urlaub zu fahren.
Dolphin Dance – Katharina Klein im falschen Film

Dolphin Dance

Zurück aus Afrika, noch immer in den falschen Mann verliebt und die Gespenster der Vergangenheit auf den Fersen: Genau die richtige Zeit für Katharina Klein, den Fall ihres Lebens zu lösen.
Jazz-Trilogie - Katharina Kleins schwerste Fälle

Jazz-Trilogie

Die ersten drei Fälle von Katharina Klein in einem Band. „Westend Blues", „African Boogie" und „Dolphin Dance" spielen mit den Themen und Tropen des Krimis wie guter Jazz – mal melancholisch, mal treibend, immer mit der chaotischsten (und besten) Kriminalpolizistin Frankfurts.
Damenopfer – Katharina Klein in den Schlagzeilen

Damenopfer

Frisch befördert, den (vielleicht doch nicht so) völlig falschen Mann an ihrer Seite und Büromöbel aus dem Theaterfundus: Genau die richtige Zeit für Katharina Klein, die hessische Landesregierung zu stürzen.

Weitere Projekte:

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